Teilnahme an der Deutschen Schülerakademie 2022 in Papenburg

Ein Erfahrungsbericht von Finja Sutter, KS2:

"IC2216-WFB90282 - Für andere vermutlich nur eine wahllose Aneinanderreihung von Buchstaben. Für mich war es die Zugverbindung, die mich zu zwölf der wohl schönsten und bereicherndsten Tage meines bisherigen Lebens bringen würde - zur Deutschen Schülerakademie in Papenburg an der Ems.
Diese wird den meisten vermutlich wenig sagen. Ich weiß nicht, wie oft ich im Vorhinein versucht habe zu erklären, was genau eine deutsche Schülerakademie ist und jetzt im Nachhinein fällt es mir noch viel schwerer, das Erlebte in Worte zu fassen."

"Auf meinem Teilnahmezertifikat steht als Definition Folgendes: "Die JGW-Schülerakademie ist eine Initiative zur außerschulischen Förderung besonders begabter, leistungsbereiter und engagierter Schüler*innen der Oberstufe. In zwölftägigen Kursen während der Sommerferien erhalten sie eine ihrer Leistungsfähigkeit und Lernbereitschaft
angemessene intellektuelle Herausforderung in unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen. […] In intensiver fachlicher Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen wird in jedem der Kurse ein fachspezifisches Thema auf universitärem Niveau erarbeitet. […]!"
Dies mag sich jetzt vielleicht für manch einen wie eine Art ödes Camp für Streber anhören, die auch in den Ferien nicht aufs Büffeln verzichten wollen, aber wenn die Schülerakademie eines nicht ist, dann das. Vielleicht fange ich am besten einfach mal an zu erzählen. Eine perfekte Definition werde ich eh nicht finden.#

Das Abenteuer begann bereits, als ich Anfang dieses Jahres von der Schule für die Teilnahme vorgeschlagen wurde. An dieser Stelle geht mein Dank an alle Lehrer, die mir dieses Erlebnis ermöglicht haben. Nach einem knappen Monat gespannten Wartens war dann die erste Hürde geschafft und ich konnte Mitte März meine Wunschkurse wählen. Dabei sucht man aus knapp 90 Kursen, die zu unterschiedlichen Zeiträumen und an unterschiedlichen Orten stattfinden, einen Favoriten sowie vier Alternativen aus - eine Entscheidung, die angesichts des breitgefächerten Angebots und der vielen sehr interessanten
Themen nicht leichtfällt. Dann begann das bange Warten, bis ich Anfang Mai tatsächlich die Zusage für meinen
Erstwunsch „Molekulare Grundlagen der Tumorimmunologie“ in den Händen halten konnte.

In den bis zur Akademie noch verbleibenden Monaten zwängten sich mir zwangsläufig immer wieder Zweifel auf. War es überhaupt eine gute Entscheidung sich zu bewerben? Werde ich mich dort wohlfühlen, im Kurs mitkommen, Freunde finden?
Im Nachhinein kann ich mich darüber nur wundern. Denn bereits bei der gemeinsamen Zugfahrt mit anderen Teilnehmern aus dem süddeutschen Raum hatten sich diese Sorgen jedoch ziemlich schnell verflüchtigt. Als ich auf der Akademie ankam, war ich mir bereits sicher, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, hier herzukommen.

Das lag zum Beispiel schon am Standort. Die Historisch Ökologische Bildungsstätte Papenburg (kurz HÖB) war alles andere als eine gewöhnliche, schlichte Jugendherberge. Ein großes Areal mit sauberen, ordentlichen Zimmern à 1-3 Personen, Häusern, die mit begrüntem Dach und massenweisen Pflanzen eher an einen Dschungel erinnerten, einem See, der mit kleinen Ruderbooten befahren werden konnte sowie eine ausgesprochen leckere, frische, gesunde und nachhaltige Verpflegung.
Man fühlte sich sofort wohl.

Die Tage begannen wir morgens nach Coronatests und Frühstück immer im gemeinsamen „Plenum“: Neben organisatorischen Ankündigungen, Vorstellung von geplanten Freizeitaktivitäten (dazu später mehr), sowie der eher verhassten „ Laurentia“ (eine Art Morgensport-Gesangkombination), stellte dabei immer ein Kurs die Nachrichten des Tages vor. Waren die
„echten“ News aufgrund des Ukrainekrieges meist eher bedrückend, so riefen die Lokalnachrichten von der Akademie selbst immer viel Gelächter hervor.

Nach dem Plenum ging es dann immer in die Kurse. Jede Schülerakademie, so auch unsere, besteht aus 6 Kursen unterschiedlicher Fachbereiche à ca. 15-16 Personen. Auf unserer Akademie waren das neben meinem eigenen die Kurse „Alles logisch?!, „Algorithm Engineering!, „Von der Quantenmechanik zum Qubit!, „Vom Sinneseindruck zur Realität“ und
„Das Recht auf Asyl!". Die insgesamt 5 Stunden Kursarbeit am Tag, drei vormittags, zwei nachmittags, darf man sich dabei allerdings nicht als angestrengendes Büffeln vorstellen. Klar, man arbeitet auf einem das der Schule übersteigendem Niveau. Klar auch, man muss da Arbeit hineinstecken, aufpassen, am Ende eine Dokumentation verfassen. Aber es macht Spaß: Denn die Atmosphäre innerhalb der Kurse ist wirklich total angenehm und entspannt. Die Teilnehmer sind da, weil sie es wollen, weil sie das Thema begeistert, nicht weil sie es müssen. Es gibt keinerlei Leistungsdruck, es ging nicht darum, wer der oder die Beste ist, sondern darum, dass es alle gemeinsam verstehen. Auch die Beziehung Teilnehmer-Kursleiter ist total entspannt, auf Augenhöhe und die Kursleitenden sind inspirierende, humorvolle und motivierende Personen.

Aber natürlich ist die Akademie nicht nur Kursarbeit. Die kursfreie Zeit zwischen Mittagessen und Kuchen sowie abends/nachts ließ viel Spielraum für intensiven Austausch und die sogenannten KüAs (kursübergreifende Aktivitäten), die von den Teilnehmenden selbst vorgeschlagen und organisiert wurden. Die KüA-Dichte auf unserer Akademie war mit schätzungsweise an die 40 verschiedenen KüAs innerhalb der 12 Tage extrem hoch und reichte von zahlreichen sportlichen Aktivitäten über Spieleabende und spannende Vorträge der Kursleiter bis hin zur „Sarkasmus KüA" morgens um 4:30 auf der anderen Seite des Sees! (kein Scherz!). Des Weiteren wurde ein großer Chor, ein Kammerchor und ein Orchester auf die Beine gestellt. Ergänzt wurde dieses Programm dann noch mit gemeinsamen Abendaktivitäten wie Lagerfeuer, Studiinfo, Konzertabend,etc. und einem halbtägigen Ausflug. Dass Schlafen da von den meisten Teilnehmenden, mich eingeschlossen, als überflüssige
Verschwendung angesehen wurde, liegt, denke ich, auf der Hand.

Aber genauso vielfältig wie das KüA Angebot waren die Teilnehmer selbst. Traf man zwischen Tür und Angel auf irgendeine bis dahin unbekannte Person, so war man nach wenigen Minuten bereits in eine anregende Diskussion verstrickt oder schüttete sich gegenseitig das Herz aus. Klar, ist das jetzt vielleicht ein wenig überspitzt ausgedrückt, klar, man versteht sich natürlich auch nicht mit allen auf Anhieb perfekt, aber das Umfeld ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die Teilnehmer sind keine trockenen, langweiligen Streber, sondern extrem nette, spannende und total offene Personen und der Austausch ist gleichermaßen inspirierend und wohltuend. Die Akademie hat mir gezeigt, dass es da draußen ganz viele Leute mit ähnlichen Interessen gibt, hat mir die Angst vor dem Studium und der Welt da draußen genommen und mir auch sonst so viel gegeben. Und ich denke, dass diese Atmosphäre, dieses Umfeld, das ist, was die Akademie wirklich ausmacht.

Während ich diesen Text schreibe, trage ich den Akademiepulli, den wir selbst während der Zeit designt haben. Neben mir liegt ein ziemlich dicker Stapel Briefe voller netter Worte anderer Teilnehmenden, an mich zum Abschied geschrieben. Obwohl Abschied eigentlich das falsche Wort ist. Über WhatsApp und Discord organisieren wir nämlich bereits Videokonferenzen und verplanen unsere freien Wochenenden mit Besuchen und Nachtreffen.

Was genau eine Schülerakademie ausmacht, das kann ich wohl nicht wirklich beschreiben. Das ist etwas, was man einfach selber erleben muss. Aber ich hoffe, dass ich zumindest einen kleinen Einblick geben konnte."

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